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08.02.1996...

...der Tag, an dem ich nach langer Reise am frühen Morgen mit der Fähre in Souda angekommen bin. Es war noch dunkel und nach einem Nés ging es auf die letzte Etappe nach Georgioupoli. Dort sollte für die nächsten neun Jahre meine (unsere) Heimat sein....

 

 

Nachdem ich meinen Kadett D auf der Platia abgestellt hatte bin ich zuerst ins SUN LIGHT und wurde von Adonis Stavroulakis herzlich begrüsst. Gerasimos und Sifi waren zu dieser frühen Stunde noch in den Federn. So nach und nach trafen die ersten Locals ein, einige kannten mich aus meiner Urlauberzeit, andere lernten mich und ich Sie in den nächsten Wochen kennen.

In dieser Zeit waren in Georgioupoli neben dem kleinen Supermarkt nur die Cafe-Bars SUN LIGHT und TITOS, sowie das "Billard" ,wie es genannt wurde, und das Sacharoplastio von Jannis geöffnet. Im SUN LIGHT waren mehr die Fischer zugegen, im TITOS mehr die Bauern und Schafhalter. Dann gab es noch die Wanderer , die überall zu finden waren. Für mich war es relativ leicht mit der Zeit zu verstehen, wer mit wem verwandt war, wer mit wem in welcher Beziehung stand und wer was beruflich tat. Für die Leuten im Ort war es ebenfalls einfach sich von mir ein Bild zu machen, da ich im SUN LIGHT wohnte und im Dorf überall unterwegs war.

Wir hatten unsere Ladeneinrichtung (Regale, Werkbank, Werkzeuge, Büromöbel, Computer und vieles mehr) per Spedition von Deutschland aus auf die Reise geschickt. Mittlerweile war die Ladung in Iraklio eingetroffen.  Nach einigen Telefonaten bekam ich die Sachen gegen geringes Entgelt nach Georgioupolis geliefert. Somit hatte ich was zu tun.

 

Zum Glück hatten Stelios, unser Vermieter,   den Laden von seinem Schwager...Stelios renovieren lassen. Mir blieb dan nur !! die Beleuchtung zu installieren, die Möbel aufzubauen, die Regale zu füllen...und, und, und. Von Kostas vom OTE Büro in Vamos habe ich meine Telefonleitung freischalten lassen und nach dem mein Telefon/Fax angeschlossen war und funktioniert hat, konnte mich meine bessere Hälfte täglich erreichen und nach dem Stand der Dingen fragen ( Kontrolle !).

Als nächstes galt es die 25 Räder nach der Anlieferung zusammen zu bauen. Aber bei all der Arbeit vergass ich nicht, weiterhin zur rechten Zeit einen Kaffee zu trinken, und abends beim gemeinsamen Fernsehen (Basketball, Basketball, Basketball...und amerikanische Filme mit griechischen Untertiteln) im SUN LIGHT mit lokalen alkoholischen Getränke , Heineken und Tzikoudia,  den Tag ausklingen zu lassen.

Nachdem der Laden eingerichtet war, galt es offiziell zu werden: Steuernummer, Adia .....

 

   

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

....als erstes musste ein Buchhalter, Logstis, gefunden werden: Mir wurde zunächst einer aus Rethimnon empfohlen. Mit jenem bin ich dann nach Chania zum Finanzamt gefahren. Dort haben ich dann schnell fest gestellt, dass ich an den falschen geraten bin. Der Mann hatte keinerlei persönliche Beziehungen zu den Finanzbeamten. Wir sind von A nach B geschickt worden, ohne unserem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Ich habe mich dann in Georgioupoli nach einem Buchhalter erkundigt und Janis Vasilakis hat mir seinen empfohlen. Sein Name ist Nektarios Tzombanakis. Auch für Ihn war es nicht ganz einfach die für mich  begehrte und notwendige A.F.M zu ergattern. Bei unserem ersten gemeinsamen Anlauf im Finanzamt wurde uns mitgeteilt, das es eine neue Verordnung für das "Rent a CAR, MOTOBIKE, BYCICLE - Business" gäbe. Leider wisse man das aber nicht so genau,...aber vielleicht die EOT, da mein Vorhaben ja irgendwie mit Touristik zu tun hätte. Wir sind also mit dem "Papaki" zum örtlichen EOT-Büro gefahren, nur um dort zu erfahren, dass die EOT damit überhaupt nix zu tun hat. Wir wurden an die Polizei verwiesen, da dort die Verordnung zumindest bekannt sein müsste. Also ging es weiter zur Polizeistation, die sich damals noch an der Ecke zum Stadtpark befand. Und hier bekam ich zum ersten mal mit wie auf Kreta so manches anders ist als in Deutschland.

 

Beim Betreten der Polizeistation liefen wir Jannis, dem Schwager der Stavroulakis Brüder und Polizist über dem Weg. Sofort wurde ich von ihm gefragt was ich wollte. Mein Buchhalter schilderte das Problem und Janis nahm uns postwendend mit ins Büro des Revierleiters. Nachdem dieser auch im Bilde war, rief er eine Polizistin in das Büro und gab ihr den Auftrag nach dieser neuen Verordnung zu suchen. Vielleicht wüssten ja die Kollegen in Agia Marina was darüber. Zu meiner Überraschung tauchte auch noch Stelios, mein Vermieter im Polizeirevier auf, der sich prompt zu uns gesellte. Während wir also alle gemeinsam im Büro des Revierleiters Kaffee tranken wurde die sagenhafte Verordnung tatsächlich gefunden und für mich kopiert. Ich war vollkommen sprachlos.  Mir wurde geholfen, obwohl mich keiner der Beteiligten wirklich kannte. Mir wurde geholfen, weil andere mich kannten und sich direkt und undirekt verbürgten.

Mit der Erteilung einer Steuernummer war es aber trotzdem nicht so einfach: ich musste eine Menge Papiere besorgen und der örtlichen Polizei zur Prüfung auf Vollständigkeit vorlegen. Meine Papiere waren nicht vollständig. Ich bekam dennoch die ersehnte Bescheinigung mit Stempel und Unterschrift des Revierleiters. Warum? Auch Vangelis der Revierleiter war jeden Abend im Sun Light und er hat dort mitbekommen wie ich mich gebe, was ich für ein Mensch bin.

Nach 4 Wochen und 4 Tagen hatte ich endlich meine Steuernummer.

 

 

 

 

 

 

 

 

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